Bierstacheln

Es gibt ja viele schöne Advents-  und Weihnachtstraditionen, die wir jedes Jahr im Dezember aus dem Brauchtumskasten holen und an folgende Generationen weitergeben. Seit drei Jahren haben meine bierbegeisterten Freunde und ich unsere eigene Adventstradition: Anfang Dezember pilgern wir bei Eiseskälte nach Aspern, um an jenem Ort glühende Eisenstäbe in unseren Biergläsern zu versenken, wo ein Erzherzog Karl einen gewissen Napoleon einst über die Donau zurückwarf.

“Bierstacheln” nennt sich dieser noch nicht sehr bekannte Brauch aus der Welt der Brauer. Durch die hohe Temperatur der Eisenstäbe karamelisiert der Restzucker des Alkohols und veredelt das Bier mit zusätzlichen Aromen (manchmal auch mit Kohleresten, aber darüber lässt sich hinwegsehen). Damit genügend Restzucker für diesen Prozess vorhanden ist, müssen Biere mit genügend Substanz verwendet werden, in diesem Fall das Festbock von Schloss Eggenberg.

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Jährlicher Veranstalter in Wien ist die “Biererei”, ein Bierfachgeschäft mit einem großen Sortiment an österreichischen und internationalen Bieren sowie einem Angebot an Heimbrauerutensilien. Dadurch bietet sich auch die Gelegenheit, das eine oder andere Weihnachtsgeschenk zu besorgen (etwa das Brettspiel “Goldbräu. Der cleverste Wirt gewinnt”). Leider ist die Biererei etwas außerhalb gelegen, was unserer Adventstradition aber  umso mehr Ausflugsstimmung verleiht.

Die Herkunft dieses Brauches liegt angeblich in der Schmiedekunst. Da den hart arbeitenden Schmieden das frische Bier im Winter zu kalt gewesen sein soll, haben sie es kurzerhand mit ihren Arbeitsgeräten aufgewärmt und so den zusätzlichen Effekt entdeckt. Ob das der Wahrheit entspricht oder ob es sich um eine weitere unter vielen Bierlegenden handelt, lasse ich mal offen.

Die Gruppe, mit der wir anreisen, vergrößert sich von Jahr zu Jahr und unsere vorweihnachtliche Tradition zieht immer weitere Kreise. Und ich muss sagen, es hat schon sehr viel Adventsstimmung, draußen in Aspern mit anderen bekannten und unbekannten Bierliebhabern um eine Esse zu stehen, einen 1.200 Grad heißen Eisenstab aus der Hand des Schmiedes überreicht zu bekommen und diesen beherzt in ein Glas mit Bockbier zu tunken.

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Categories: Bier

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