Bierverkostung Nr. 2: Nach dem Bock ist vor dem Bock!

Lang ist sie her, die letzte Bierverkostung. Doch endlich hat sich meine Runde passionierter Biertrinker wieder versammelt, um neue Biere kennenzulernen und sie mit kritischem Trinkgaumen zu begutachten. Die Idee dieser Verkostung war, die guten Weihnachtsböcke aus dem Supermarkt im Abverkauf zu retten, bevor sie dort verschwinden und irgendeinen anderen schrecklichen Weg gehen. Ergänzt wurden sie um drei Bockbierklassiker, die das Ganze Jahr über erhältlich sind.  Das Motto lautete “Nach dem Bock ist vor dem Bock”, denn lange müssen sich die Bockbierfreunde bis Ostern nicht gedulden.

Es ist generell keine schlechte Idee, sich im Jänner günstig mit Weihnachtsbockbieren einzudecken. Conrad Seidl hat bereits darauf hingewiesen, dass die Bockbiere, werden sie zur Bocksaison nicht getrunken auch ruhig im Keller vergessen werden dürfen. Wie bei Wein ist ab einer gewissen Stammwürze die Lagerung von Bier durchaus möglich, weshalb die Bockbiere die bevorzugte Wahl sind. Geschmacklich muss ein gereifter Bock nicht jedermanns Sache sein. Durch die lange Lagerzeit ist das Hopfenaroma verloren und von Spritzigkeit kann auch keine Rede mehr sein.

Wir sind also wieder daran gegangen, unseren Bierhorizont zu erweitern und Verkostungskompetenz in Sachen Bockbier aufzubauen. Bei der Verkostungsauswahl habe ich vor allem Wert darauf gelegt, verschiedene Bockbiertypen dabei zu haben. Gerade die letzten drei Biere geben einen guten Eindruck über die Vielfalt, die innerhalb dieses eher traditionellen Biertyps existiert. Bewertet wurde immer noch nach dem 10-Punkte-System ohne weitere Differenzierung.

Erfreut nahmen wir außerdem von der Eröffnung eine neuen Brauerei in Wien Kenntnis. Ich war bereits dort, habe mich mit sehr überzeugendem Pale Ale eingedeckt und um eine Besichtigung für die gesamte Biergruppe angefragt, worüber sicher noch berichtet wird.

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1. Zipfer Stefanibock

Stammwürze: 16,2°
Alkohol: Vol. 7,1%
Stil: Heller Bock

Ein klassischer Supermarkt-Bock, der wie erwähnt günstig im Abverkauf erstanden wurde. Hauptsächlich sollte er als Ausgangspunkt dienen, um die späteren Kultböcke richtig einzuordnen. Und geschmacklich wurde er von allen als nicht besonders aufregend eingestuft. Malz und Alkohol wogen schwer und waren durch nichts wirklich ausbalanciert.

2. Stieglbock

Stammwürze: 16,5°
Alkohol: Vol. 7 %
Stil: Heller Bock

Stiegl hat bereits Jahrgangsböcke eingeführt, das heißt mit Jahreszahlen versehen,was für Lagerzwecke sehr praktisch ist. Der Beschreibung kann so verstanden werden, als würde jeder Jahrgang anders gebraut, was auch sehr interessant klingt. In der Verkostung überzeugte der Stieglbock 2013 durch seine Spritzigkeit, wurde insgesamt als sehr rund bewertet und war für alle eine sehr positive Überraschung. Das zeigte sich schlussendlich auch in der Bewertung. Kaum zu glauben, dass in meinem Supermarkt ums Eck die letzten Flaschen abverkaufsmäßig fast billiger als Dosenbier verkauft werden.

3. Achat Honigbock

Stammwürze: 16,8°
Alkohol: Vol. 7,9 %
Stil: Honigbock
Anmerkungen: Waldviertler Wald- & Blütenhonig

Auf der Honigbierwelle schwimmender Honigbock der Zwettler Brauerei. Die Honigaromen haben sich meiner Meinung nach in die Bockbiermalzsüße gut eingefügt und bildeten eine interessante Ergänzung. Diese Ansicht teilten allerdings nicht alle Mitverkoster und manche empfanden sie als leicht störend.  Somit Geschmackssache.

4. Andechser Doppelbock Dunkel

Stammwürze: 18,5°
Alkohol: Vol. 7 %
Stil: Dunkler Doppelbock

Mit dem Andechser Bock begann die Reihe der Starkbierklassiker, die nicht nur zu Ostern und Weihnachten sondern ganzjährig erhältlich sind. Stilecht aus einer Klosterbrauerei stammend, noch dazu  vom “Heiligen Berg” der Bayern. Was könnte von einem Bockbier denn noch mehr verlangt werden. Vom Typ her dunkel, Farbe und Schaum lassen schon darauf schließen, was einem da geschmacklich bevorsteht. Kräftig, malzig, süßlich, stark, einfach nur gut.

4. Schneider Weiße TAP 6 Unser Aventinus

Stammwürze: 18,5°
Alkohol: Vol. 8,2 %
Stil: Weizenbock

Der Weizenbockbierklassiker von Schneider war für mich ein Pflichtteilnehmer obwohl es mittlerweile auch andere Weizenböcke gibt, die mich sehr gereizt hätten. Aber es durfte halt nur einen geben, der andere wird bei der Weizenverkostungsreihe zu seinem Recht kommen. Abgesehen von den Röstaromen war es vom Geschmack her dem vorangegangenen Bier nicht unähnlich, aber noch fülliger, weicher und vor allem fruchtiger. Süsslich-malzig mit einer Spur Banane und die Stärke des Bieres ist gefährlich gut ausbalanciert.

6. Samichlaus (Schloss Eggenberg)

Stammwürze: 28°
Alkohol: Vol. 14 %
Stil: Doppelbock

Manche von uns tranken das Samichlaus zum ersten Mal aber ich bin ebenso immer wieder überrascht, wie wenig es noch nach Bier und wieviel mehr an andere hochprozentige alkoholische Getränke erinnert. Das Wort Cognac fiel des Öfteren als Vergleich. Es ist ein ganz eigenes Mundgefühl, das das leichte Ziehen und den Geschmack stärkerer Getränke mit der Weichheit von Bieren verbindet. Ganz einfach eine Kategorie für sich.

Produziert wird das Samichlaus hier in Österreich von der Brauerei Schloss Eggenberg. Ursprünglich stammt es aus der Schweiz und zwar aus Zürich, wo es jährlich zum “Samichlaus”, dem Tag des hl. Nikolaus eingebraut wurde. Mit seinen 14 Prozent gilt dieser Bock als eines der stärksten Biere der Welt, benötigt ausgefeilte und komplizierte Braumethoden und spezielle, alkoholresistente Hefen. Lagerfähig ist er wie kein anderer und als Speisenbegleiter könnte ich ihn mir ausgezeichnet zu Desserts (vor allem Eis, Vanilleeis…) vorstellen oder auch, es in ein Dessert einzubauen.

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Zum Schluss also das Ergebnis. Ich gebe offen zu, dass ich den letzten drei Kandidaten höhere Bewertungen auf der 10er Skala gegeben habe als der Durschschnitt. Aber offenbar sind meine Verkoster mittlerweile doch sehr anspruchsvoll und ich werde noch ganz andere Biere auffahren müssen, um irgendwann die 9 zu knacken.

  • Zipfer Stefanibock: 4
  • Zwettler Achat Honigbock: 5,75
  • Stieglbock 2013: 6,5
  • Andechser Doppelbock Dunkel: 7
  • Schneider Aventinus: 7
  • Samichlaus 7,25

 

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