Xaverbrauerei

Die Spatzen pfeifen es von allen Dächern und sogar Leute, die gar nix mit Bier am Hut haben, wussten es vor mir: Wien hat eine neue Brauerei! Und zwar eine kleine, feine auf 50 m². Auf den ersten Blick braucht es schon ordentlich Chuzpe im Hinterhof des Bier-Goliaths eine Brauerei zu eröffnen. Fürchten muss sich unser David, äh Xaver allerdings nicht, denn dieser Goliath ist ein freundlicher Geselle und lädt mittlerweile die alleine vom Bierausstoß schon ungefährlichen Davids zu sich nach Hause ein.

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Nach einem ersten Sondierungs- und Einkaufsbesuch habe ich bei den netten Brauern um einen Besichtigungstermin für unsere Bierverkostungsgruppe angefragt und diesen sofort zugesagt bekommen. An einem völlig verregneten Samstagnachmittag erhielten wir eine Führung durch Wiens jüngste Microbrewery. 200 l umfasst in etwa das Ausstoßvermögen und an Raum nimmt sie wie erwähnt lediglich 50 m² ein. Die beiden Brauer sind ehemalige Homebrewer, die sich den Traum einer größeren Brauanlage samt Lagertanks und Kühlanlage erfüllt haben und diesen nun nebenberuflich ausleben. Wir bekamen anhand der Anlage einen Durchgang durch den Braurprozess und haben die beiden mit allerhand Fragen, die der Biertheoretiker so an den Braupraktiker haben kann, beschossen. Das Heimbrauen ist auch für das eine oder andere Mitglied meiner Bierverkostungsgruppe ein mittel- bis langfristiges Projekt und viele unserer Erkundigungen gingen in diese Richtung.

Das Endprodukt gab es natürlich auch zu verkosten. Das derzeitige Angebot der Xaverbrauerei umfasst drei Biere von denen eines leider gerade ausgetrunken war: Pale Ale, Stout und Wit-Bier. Stout und Pale Ale waren verfügbar und es bot sich die Möglichkeit, Geschmack und Zusammensetzung mit den geistigen Vätern des Braurezepts diskutieren. Alleine dadurch haben wir meiner Meinung nach mit den zwei Bieren mehr an Verkostungskompetenz gewonnen, als bei den bisherigen Verkostungsrunden. Es ist einfach etwas völlig anderes, Malz und Hopfen aufgrund spärlicher Angaben mehr oder weniger zu raten, als sie tatsächlich erklärt zu bekommen.

Das Stout hat deutliche Röstaromen, interessant ist die Kombination des fruchtigen Cascade-Hopfen mit dem klassischen Stout-Geschmack. Beim Pale Ale setzt sich der Cascade in der Hopfenkombination auch deutlich mit Fruchtnoten durch, die bereits in der Nase sehr gut zu erkennen sind. Die Farbe geht ins orange-bräunliche, was auf die Verwendung von Melanoidinmalz zurückzuführen ist. Insgesamt ist das Pale Ale recht säuerlich. Der Schaum ist feinporig, verflüchtigt sich aber recht schnell. Am Gaumen die fruchtigen Hopfenaromen und eine eher milde Bittere. “Englisch” sind die Biere vor allem durch eine für den österreichischen Gaumen ungewohnt geringe Kohlensäure.

Ich habe bereits meinen zweiten Karton Xaverbier zu Haus. Kleinbrauer gehören unterstützt, sie sind das Pendant zum Winzer, der einem beim Kartonbefüllen erklärt, was er sich bei der Herstellung seines Produktes gedacht hat und darüber endlos und mit Leidenschaft schwadronieren kann. Nur sind die Kleinbrauer leichter zu erreichen und auf den Kartonpreis besehen wahrscheinlich auch günstiger.

Achja, ein schönes Pint-Glas gibt es auch zu kaufen. Fotos hab ich leider vergessen zu machen, aber vielleicht kann das noch bei einem Witbier-Einkauf nachgeholt und hier entsprechend ergänzrt werden.

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